Wer nie wechselt, zahlt in der Grundversorgung dauerhaft deutlich mehr als nötig. Der Wechsel ist ein Vorgang von zehn Minuten, den man wie einen Kalendertermin behandeln sollte: einmal im Jahr, immer nach dem gleichen Muster.
Erst rechnen, dann vergleichen
Nimm den Jahresverbrauch von der letzten Abrechnung, nicht die Schätzung des Vergleichsportals. Ohne diese Zahl vergleichst du Preise für einen Haushalt, der nicht deiner ist. Zwei Kennzahlen zählen: Grundpreis pro Jahr und Arbeitspreis pro Kilowattstunde — bei niedrigem Verbrauch dominiert der Grundpreis, bei hohem der Arbeitspreis.
Bonusfallen erkennen
Neukundenboni werden meist erst nach zwölf Monaten Belieferung ausgezahlt. Wer vorher wechselt, verliert sie. Prüfe außerdem, ob der Bonus als Einmalzahlung oder als Rabatt auf den ersten Abschlag kommt — und rechne den Tarif einmal ohne Bonus, um den Preis im zweiten Jahr zu sehen. Genau dort verdienen Anbieter.
Kaution und Vorkasse meiden
Tarife mit Vorkasse oder Kaution sind günstiger, aber im Insolvenzfall ist das Geld weg. Der Preisunterschied lohnt das Risiko selten.
Preisgarantie richtig lesen
Eine eingeschränkte Preisgarantie schließt Steuern, Abgaben und Netzgebühren aus — genau die Posten, die zuletzt gestiegen sind. Eine vollumfängliche Garantie ist teurer, aber planbar. Für zwölf Monate Laufzeit genügt meist die eingeschränkte Variante mit kurzer Kündigungsfrist.
Der Wechsel selbst
Erst den neuen Vertrag abschließen und den Lieferbeginn festlegen, dann kündigen — oder den neuen Anbieter die Kündigung übernehmen lassen. Es gibt keine Versorgungslücke: Kommt der neue Anbieter nicht zustande, liefert automatisch der Grundversorger. Zählerstand am Wechseltag fotografieren, Schlussrechnung binnen sechs Wochen prüfen.
Dynamische Tarife: für wen sie passen
Dynamische Tarife folgen dem Börsenpreis und lohnen, wenn du Verbrauch verschieben kannst: Wärmepumpe, Wallbox, Speicher, Waschmaschine mit Zeitsteuerung. Voraussetzung ist ein Smart Meter. Ohne verschiebbaren Verbrauch bringt der Tarif vor allem Preisrisiko.
FAQ: Stromtarif in Kurzform
Wie oft darf ich wechseln? Beliebig oft, üblich ist einmal jährlich. Was bei Umzug? Sonderkündigungsrecht mit sechs Wochen Frist. Zählt der Ökostrom-Nachweis? Herkunftsnachweise sagen wenig über zusätzlichen Ausbau; achte auf Labels mit Neuanlagen-Quote. Und wenn der Anbieter insolvent geht? Der Grundversorger übernimmt automatisch, oft teurer — dann zügig neu wechseln.