Tarife & Zähler

Stromtarif wechseln: einmal im Jahr, 200 bis 400 Euro

Wer nie wechselt, zahlt in der Grundversorgung dauerhaft deutlich mehr als nötig. Der Wechsel ist ein Vorgang von zehn Minuten, den man wie einen Kalendertermin behandeln sollte: einmal im Jahr, immer nach dem gleichen Muster.

Erst rechnen, dann vergleichen

Nimm den Jahresverbrauch von der letzten Abrechnung, nicht die Schätzung des Vergleichsportals. Ohne diese Zahl vergleichst du Preise für einen Haushalt, der nicht deiner ist. Zwei Kennzahlen zählen: Grundpreis pro Jahr und Arbeitspreis pro Kilowattstunde — bei niedrigem Verbrauch dominiert der Grundpreis, bei hohem der Arbeitspreis.

Bonusfallen erkennen

Neukundenboni werden meist erst nach zwölf Monaten Belieferung ausgezahlt. Wer vorher wechselt, verliert sie. Prüfe außerdem, ob der Bonus als Einmalzahlung oder als Rabatt auf den ersten Abschlag kommt — und rechne den Tarif einmal ohne Bonus, um den Preis im zweiten Jahr zu sehen. Genau dort verdienen Anbieter.

Kaution und Vorkasse meiden

Tarife mit Vorkasse oder Kaution sind günstiger, aber im Insolvenzfall ist das Geld weg. Der Preisunterschied lohnt das Risiko selten.

Preisgarantie richtig lesen

Eine eingeschränkte Preisgarantie schließt Steuern, Abgaben und Netzgebühren aus — genau die Posten, die zuletzt gestiegen sind. Eine vollumfängliche Garantie ist teurer, aber planbar. Für zwölf Monate Laufzeit genügt meist die eingeschränkte Variante mit kurzer Kündigungsfrist.

Der Wechsel selbst

Erst den neuen Vertrag abschließen und den Lieferbeginn festlegen, dann kündigen — oder den neuen Anbieter die Kündigung übernehmen lassen. Es gibt keine Versorgungslücke: Kommt der neue Anbieter nicht zustande, liefert automatisch der Grundversorger. Zählerstand am Wechseltag fotografieren, Schlussrechnung binnen sechs Wochen prüfen.

Dynamische Tarife: für wen sie passen

Dynamische Tarife folgen dem Börsenpreis und lohnen, wenn du Verbrauch verschieben kannst: Wärmepumpe, Wallbox, Speicher, Waschmaschine mit Zeitsteuerung. Voraussetzung ist ein Smart Meter. Ohne verschiebbaren Verbrauch bringt der Tarif vor allem Preisrisiko.

FAQ: Stromtarif in Kurzform

Wie oft darf ich wechseln? Beliebig oft, üblich ist einmal jährlich. Was bei Umzug? Sonderkündigungsrecht mit sechs Wochen Frist. Zählt der Ökostrom-Nachweis? Herkunftsnachweise sagen wenig über zusätzlichen Ausbau; achte auf Labels mit Neuanlagen-Quote. Und wenn der Anbieter insolvent geht? Der Grundversorger übernimmt automatisch, oft teurer — dann zügig neu wechseln.

So gehst du vor
  1. Jahresverbrauch aus der letzten Abrechnung ablesen.
  2. Zwei Vergleichsportale nutzen, Filter: keine Vorkasse, keine Kaution.
  3. Tarif mit und ohne Bonus rechnen.
  4. Neuen Vertrag mit Lieferbeginn abschließen.
  5. Zählerstand am Wechseltag fotografieren.
  6. Kalendereintrag für den nächsten Wechsel setzen (11 Monate).
Praxis-Tipp Setz den Wechseltermin auf elf Monate nach Vertragsbeginn, nicht auf zwölf. So bekommst du den Bonus und hast noch einen Monat Puffer, um in Ruhe zu vergleichen.
Themen in diesem Artikel