Heizen & Wärmepumpe

Wärmepumpe im Altbau: die drei Zahlen, die entscheiden

Der Satz, Wärmepumpen gingen im Altbau nicht, ist genauso falsch wie die Behauptung, sie gingen überall. Ob sie funktioniert und sich rechnet, hängt an drei Zahlen, die du selbst ermitteln kannst, bevor der erste Handwerker kommt: Heizlast, benötigte Vorlauftemperatur und Wärmepumpen-Stromtarif.

Zahl 1: Heizlast aus dem Gasverbrauch

Teile den Jahresverbrauch in Kilowattstunden durch die Vollbenutzungsstunden — für Wohngebäude sind 2.000 Stunden ein brauchbarer Näherungswert. Aus 20.000 Kilowattstunden Gas ergibt sich also grob 10 Kilowatt Heizlast, abzüglich Warmwasser und Kesselverluste eher 8. Diese Zahl bestimmt die Gerätegröße; zu große Geräte takten und verschleißen.

Warmwasser herausrechnen

Rechne pro Person etwa 700 bis 1.000 Kilowattstunden Warmwasserbedarf im Jahr. Bei vier Personen also rund 3.500 Kilowattstunden, die nicht in die Heizlast gehören, aber im Betrieb mitlaufen.

Zahl 2: Vorlauftemperatur mit dem Heizkurven-Test

Der entscheidende Test kostet nichts: Stelle an einem kalten Tag die Vorlauftemperatur schrittweise herunter, bis die Wohnung nicht mehr warm wird. Bleibt es bei 55 Grad behaglich, ist eine Wärmepumpe wirtschaftlich möglich; bei 45 Grad ist es unkritisch, über 60 Grad wird es teuer. Größere Heizkörper in zwei bis drei Räumen senken die nötige Vorlauftemperatur oft schon ausreichend.

Zahl 3: Jahresarbeitszahl und Stromtarif

Die Jahresarbeitszahl sagt, wie viele Kilowattstunden Wärme aus einer Kilowattstunde Strom entstehen. Realistisch sind 3,0 bis 4,0, bei niedriger Vorlauftemperatur mehr. Mit einem Wärmepumpentarif von etwa 26 Cent und einer Arbeitszahl von 3,5 kostet die Kilowattstunde Wärme rund 7,4 Cent — gegen etwa 12 Cent bei Gas mit 90 Prozent Nutzungsgrad. Erst diese Gegenrechnung zeigt die tatsächliche Ersparnis.

Separater Zähler oder nicht

Ein eigener Zähler für die Wärmepumpe ermöglicht den günstigeren Tarif, kostet aber Grundpreis und Installation. Bei mehr als 3.000 Kilowattstunden Jahresstrombedarf rechnet sich das meist; darunter ist ein einfacher Haushaltstarif mit gutem Preis oft günstiger.

Hydraulischer Abgleich: die billigste Maßnahme

Ohne Abgleich laufen einzelne Heizkörper heiß, andere bleiben kalt, und die Anlage braucht unnötig hohe Vorlauftemperatur. Der Abgleich kostet je nach Umfang wenige Hundert Euro, senkt den Verbrauch messbar und ist Voraussetzung für die Förderung. Er lohnt sich auch ohne Wärmepumpe.

Förderung: Zuschuss plus Boni

Der Grundzuschuss für den Heizungstausch liegt bei 30 Prozent, mit Klimageschwindigkeits- und Einkommensbonus sowie Effizienzbonus in der Spitze bei 70 Prozent der Investition, begrenzt auf eine förderfähige Höchstsumme. Wichtig: Antrag vor Auftragsvergabe oder mit Rücktrittsklausel, und der Fachbetrieb bestätigt die Voraussetzungen. Kombiniert mit einem zinsgünstigen Kredit sinkt die Belastung weiter.

FAQ: Wärmepumpe in Kurzform

Brauche ich Fußbodenheizung? Nein, aber niedrige Vorlauftemperatur hilft. Wie laut ist sie? Moderne Außeneinheiten liegen bei 45 bis 55 Dezibel in einem Meter Abstand; Abstände zum Nachbargrundstück beachten. Funktioniert sie bei minus zehn Grad? Ja, mit sinkender Arbeitszahl. Und Photovoltaik dazu? Sinnvoll, deckt aber wegen des Winterbedarfs nur einen Teil.

So gehst du vor
  1. Gasverbrauch der letzten drei Jahre zusammenstellen.
  2. Heizlast überschlagen: Verbrauch ÷ 2.000 h, Warmwasser abziehen.
  3. Heizkurven-Test an einem kalten Tag durchführen.
  4. Zwei bis drei kritische Heizkörper prüfen und ggf. tauschen.
  5. Hydraulischen Abgleich beauftragen.
  6. Förderantrag vor Auftragsvergabe stellen, drei Angebote vergleichen.
Praxis-Tipp Führe den Heizkurven-Test im Januar durch, nicht im Herbst. Nur bei echter Kälte zeigt sich, ob 50 Grad Vorlauf reichen — und diese eine Erkenntnis entscheidet über zehntausend Euro Investitionsunterschied.
Themen in diesem Artikel